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Das wirklich Neue am A380

von Jürgen Heermann

Das wäre den Gebrüder Wright nicht im Traum eingefallen. Ein Flugzeug, in dem die Passagiere schon beim Rollen höher sitzen, als die Wrights mit ihrem Apparat geflogen sind und eine Kabine, die länger ist, als die Fluglänge ihres ersten Motorflugs. Doch diese Geschichte und das neueste Airbusmodell A380 funktionieren noch immer auf der Grundlage „gesteuerter Motorflug nach dem Prinzip schwerer als Luft“. Das aber war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Waren die historischen Hopser etwas wirklich neues, so besticht hier schlicht die Größe und sie wiederum ist der allgemein zu beobachtende Unterschied zu jenen Flugzeugen, die täglich über unsere Köpfe hinweg fliegen. Rückt man nun auch noch die Größe der A380 ins rechte Verhältnis, denn der A340-600 ist länger, muss die Begeisterung woanders zu finden sein. Und die liegt im Detail.

Dieser „Doppeldecker“ ist kein Experiment, er ist ein fertiges Transportmittel. Gut bestuhlt können 555 Passagiere weit mehr als zehn Stunden in einer besonders geräuscharmen Kabine je nach Ausstattung zu Ton, Bild oder Steckdose greifen. Allein diese Fluggastunterhaltung verschlingt ungewöhnlich viel Strom. Mit bis zu 60 kW ist das etwa fünfmal so viel, wie ein häuslicher Herd mit Backofen verbrauchen kann. Die Bordküchen sind noch hungriger. Mit einer riesigen Leistung von 240 kW verschlingen sie den meisten Strom mit Kaffeekochen und Speisenerwärmen.

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Elektrischer Strom wird auch benötigt, um dezentrale Hydrauliksysteme anzutreiben. Stromkabel an Stelle von schwer zu verlegenden Rohren führen direkt zu den Orten, wo Steuerflächen von hydraulischen Kräften bewegt werden. Oberstes Konstruktionsprinzip ist Gewicht sparen. Wiegt ein Flugzeug nur ein Kilogramm mehr, steigt sein Verbrauch um 200 Liter Kerosin im Jahr. Deshalb besteht etwa ein Fünftel der Struktur der A380 aus CFK, einem kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff oder aus GLARE, einem Hybridmaterial aus mehreren geklebten Schichten von Aluminium und Glasfaser. Elektrische Kabel innerhalb der Druckkabine sind erstmals aus Aluminium, das spart 300 Kilogramm Gewicht. Der mit 345 bar (5000 psi) gesteigerte Druck in den nur noch zwei zentralen Hydrauliksystemen ermöglicht kleinere Rohre und damit weniger Gewicht. Fly-by-Wire, das Steuern des Flugzeugs durch elektrische Signale, ist bei der A380 erstmals umfassend in einem Passagierflugzeug verwirklicht worden.

Erstmalig ist es mit der A380 auch gelungen, ein Flugzeug in die Luft zu bringen, dessen vier gewaltige Antriebsmotoren deutlich weniger Lärm verursachen, als zum Beispiel der Jumbo, die Boeing 747-400. Das Bauteil mit dem größten Anteil an diesem lobenswerten Vorteil ist das im Triebwerk von vorne sichtbare große Propellerrad. Dieser „Fan“ hat einen Durchmesser von gewaltigen 2,95 Meter und er ist es glücklicherweise auch, der wesentlich zu dem Verbrauch von nur etwa 3 Liter pro Passagier und 100 Kilometer beiträgt.

Und sonst? Alles, wie gehabt! Das Flugzeug fliegt etwa einen Kilometer in vier Sekunden. Die zu tragende Last der 22 Räder ist mit rund 25 Tonnen pro Rad allgemeiner Stand der Technik. Doch eins ist groß. Mit dem Tankinhalt einer A380 von 310.000 Liter können Sie Ihr Einfamilienhaus 100 Jahre heizen.

Das Buch "Warum sie oben bleiben" ist im Insel (Suhrkamp Verlag) erschienen und über den Buchhandel erhältlich.

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