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Bericht 5:
Unterwegs im deutschen Luftraum
Bremen, das Finale
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Nachdem wir im November 2002 den ATPL (Airline Transport Pilot License) und im Dezember 2002 die Long Range Prüfung erfolgreich hinter uns gebracht hatten, wurden wir im Januar diesen Jahres von der LFT (Lufthansa Flight Training) verabschiedet. Doch ein Teil unserer Ausbildung fehlte uns zu diesem Zeitpunkt noch: Das Cheyenne-Fliegen. In diesem Ausbildungsabschnitt bilden jeweils 2 Flugschüler ein Flugteam und arbeiten nach den Regeln des CCC (=Crew Coordination Concept) zusammen. Nach dieser Art der Zusammenarbeit wird seit Jahren in den Lufthansa Cockpits gearbeitet:

Im Gegensatz zum Fliegen in den USA (dort hatte der Flugschüler die Aufgabe, während des Fliegens zu navigieren und dabei auch das Funken nicht zu vergessen) wurde von uns nun im Simulator gefordert, sowohl die Rolle des FO’s (First Officiers, = Copilot) als auch die Aufgaben des Kapitäns zu kennen und zu beherrschen. Besonders wichtig ist dabei, die eigenen Aufgaben richtig auszuführen, gleichzeitig den Teamkollegen auf dem Nachbarsitz zu überwachen und mit ihm professionell zusammenzuarbeiten. Denn der Fluglehrer „ermöglichte“ es im Simulator immer wieder, einige Geräte, Anzeigen oder auch Triebwerke ausfallen zu lassen, um auf diese Weise Kommunikation, Teamfähigkeit und Handhabung zum Lösen des Problems der beiden Flugschüler zu testen und beurteilen zu können.

Im April fing das Cheyenne-Fliegen für den Großteil des 307 NFF. an. Um sich im Simulator leichter zu tun, lernten wir die Items (= Ablauf bestimmter Vorgänge) bereits zuhause und übten verschiedene Flugabläufe einige Male im Procedure Trainer. Der Procedure Trainer ist ein am Boden stehendes Cheyenne-Cockpit, in dem Knöpfe gedrückt und Hebel bewegt werden können, ohne dass sich das Gerät bewegt. Man könnte einen Procedure Trainer also auch einen stehenden Simulator nennen.

Bevor wir im deutschen Luftraum unterwegs sein sollten, verbrachten wir einige Stunden in einem der 4 Simulatoren, die in Bremen stehen. Zusammen mit meinem Teamkollegen Roland flogen wir am 14.April unsere erste Simulatormission. Nachdem wir unseren Fluglehrer getroffen hatten und das Briefing (= Besprechung, in der sowohl Ablauf als auch Ziele der bevorstehenden mission erläutert werden) beendet war, betraten wir den Simulator.

Zum Simulator ist folgendes zu sagen: Dadurch, dass dieser auf Hydraulikstelzen steht, kann Schwanken sowie das Gefühl der Beschleunigung (z.B. beim Take-Off ) im Cockpit erzeugt werden. Dabei legt die Hydraulik den Simulator nach hinten, und die Insassen werden so in die Sitze gedrückt, dass sie das Gefühl haben, in einem Rennwagen oder eben in einem Flugzeug zu sitzen. Wenn das Flugzeug nach der Landung gebremst wird, ist es genau umgekehrt.

 

   Flugvorbereitung - ein Auszug
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Load & Trim Sheet
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Take Off Data Sheet
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Wind in FL180
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So übten wir in den insgesamt 18 Simulatoreinheiten (eine mission entspricht 2 Zeitstunden) neben verschiedenen Anflugverfahren bzw. –techniken vorwiegend Notfälle wie Triebwerksausfall, Feuer im Triebwerk, Ausfall von Systemen oder extreme Witterungsverhältnisse wie starke Winde und geringe Sichtverhältnisse. Besonderen Wert legten die Fluglehrer, von denen viele selbst aktive LH-Kapitäne und/oder -FO’s sind, auf den Aspekt der Teamarbeit, da kein Pilot unfehlbar ist und nur durch Kontrolle und Überwachung des anderen schwerwiegende Fehler vermieden werden können.

Während der Simulatorzeit flogen wir 2 Checkflüge, in denen Arbeitsweise, Kenntnisse und Teamfähigkeiten von einem Fluglehrer, mit dem man zuvor noch nicht zusammen im Simulator eine mission geflogen war, überprüft und beurteilt wurden.

Mitte Mai begann das „actual“ flying. Mit der D-IOSD starteten wir in Bremen von der Runway 09. Obwohl wir schon einige Stunden im Simulator geflogen waren, war das Gefühl nun doch ein anderes: Die Cheyenne, auch PA-42 genannt, hat 2 Turboproptriebwerke (Pratt and Whitney PT6A-61) mit 720 SHP, verfügt über ein hydraulisches Einziehfahrwerk und wird bei Lufthansa Flight Training mit 8 Sitzen geflogen. Das Maximum Take-Off Weight beträgt 11200 lbs bei der Cheyenne (zum Vergleich: Bonanza: 3400 lbs.).

Da die Cheyenne über eine Druckkabine verfügt, liegt die Maximum Altitude bei 33000 ft, aufgrund von RVSM jedoch bei 28000ft. Auch dies war für uns neu: Unsere Reiseflughöhe lag in den USA bei durchschnittlich 10000ft, doch nun flogen wir in weitaus größeren Höhen. Zudem konnten wir von nun an Gebrauch vom Autopiloten und Flight Director System machen. Der Autopilot ermöglichte es, dass wir in stressigeren Situationen (z.B. Vorbereitung des Anfluges) weiteren wichtigen Aufgaben unsere Aufmerksamkeit schenken konnten.

Mit einem Lufthansa Callsign (z.B. Lufthansa 8871 bei unserem ersten Flug) waren wir vier missions im deutschen Luftraum unterwegs. Der Flug LH 8871 führte uns von Bremen über Rostock-Laage nach Usedom. Hier wurde die Cheyenne getankt, dann flog Roland über Rostock-Laage zurück nach Bremen. Während Roland vorne rechts saß, der Fluglehrer auf dem Captain’s seat Platz genommen hatte, saß ich in der Reihe hinter den Piloten und funkte. Dies bedeutet, dass der jeweils „hinten“ sitzende Teamkollege den Funk machte und somit stets in den Flug mit eingebunden war.

Ein Highlight war unser Nachtflug: Am Abend des 19. Mai flogen wir (Roland vorne rechts, ich „hinten“) nach Leipzig, machten dort einen Touch and Go und flogen weiter nach Rostock-Laage. Hier wurde getankt, danach wechselten wir die Sitzplätze. Roland nun „hinten“, um zu funken, und ich vorne rechts. Um 00:35h starteten wir in Rostock-Laage. Auch nun ging es in Richtung Leipzig, um dort einen Low Approach (=Anflug, der in einer niedrigen Höhe, d.h. kurz vor dem Aufsetzen auf der Runway bewusst abgebrochen wird.) zu fliegen. Von dort flogen wir weiter nach Köln. Da Köln ein Frachtflughafen ist, war hier nachts noch jede Menge los. Gegen 03:00h in der Nacht landeten wir in Köln und waren froh, als unser Taxi das Hotel erreichte.

Am nächsten Tag sollte es erst am frühen Nachmittag wieder losgehen, so dass Roland und ich die Zeit nutzten, um uns die Stadt vom Kölner Dom aus anzusehen. Am frühen Nachmittag flog ich von Köln über Berlin-Schönefeld nach Dresden. Zusätzlich flogen wir über Dresden noch eine Platzrunde, um den wunderschönen Ausblick auf die Stadt zu genießen. Danach landeten wir in Dresden. Während das Flugzeug betankt wurde, holte uns ein grün-schwarz kariertes Follow-me-Fahrzeug ab und brachte uns zum Terminal, damit wir dort einen Kaffee trinken konnten. Wieder im Flugzeug angekommen, wechselten wir die Plätze, und es ging zurück nach Bremen.

Nach zwei weiteren Flugtagen stand ein LH-interner Checkflug bevor, den wir beide bestanden haben. Eigentlich sollte 3 Wochen später unser Type Rating für den Airbus 320 in Bremen beginnen, doch aufgrund des Einstellungsstopps bei LH, wurden alle Type Ratings auf ungewisse Zeit verschoben. So packten wir unserer Sachen und fuhren wieder in die Heimat: Roland nach Bayern, ich nach Hessen.

Mitte Juni wurden wir nochmals nach Bremen bestellt, da man sich von Seiten der Flugschule her entschlossen hatte, dass der CCC-Check (Crew Coordination Concept - Check) nun nicht wie bisher auf dem Eingangsmuster (in unserem Fall dem A320), sondern auf der Cheyenne vom LBA abgenommen werden sollte. (Dieser Check muss innerhalb eines Jahres nach der ATPL-Prüfung geflogen bzw. vom LBA abgenommen werden) Zu unserem Flugteam kam ein Kollege hinzu, so dass wir nun ein Dreierteam bildeten. Wir flogen in unterschiedlicher Besetzung nun 5 weitere missions, dann folgte der LBA Checkflug am 02.Juli. Nachdem wir diesen alle bestanden hatten, trennten sich wieder unsere Wege.

Seit Juli diesen Jahres warten wir gespannt, wann es mit den Type Ratings losgehen wird. Leider ändern sich die Prognosen immer wieder, so dass sich derzeit nicht definitiv sagen lässt, wann das Simulatortraining für das Eingangsmuster beginnen wird.

So habe ich mich entschlossen, die Zeit u.a. zu nutzen, um meine Sprachkenntnisse zu erweitern. Jedoch hoffe ich insgeheim, dass es schon bald mit den Type Ratings weitergeht, da die Sehnsucht nach dem Fliegen von Tag zu Tag größer wird.

Nicola Thiele, November 2003

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